ÜBER MICH
Hallo, ich bin Anna.
Mama, Ingenieurin, Projektmanagerin (privat und beruflich) und meistens mitten im Trubel ob ich will oder nicht.
Es gibt Momente, in denen ich mittem im Alltag einen Satz höre. Nicht laut. Eher wie ein leises Klopfen. Und wenn ich ihn nicht irgendwo aufschreibe ist er weg – weggespült vom nächsten Schrei aus dem Kinderzimmer, dem nächsten Kapitel, das wartet, dem nächsten Tag, der einfach anfängt.
Ich schreibe seit ich denken kann. Zuerst Tagebücher mit Schloss – das billige Plastikschloss, dass jeder in drei Sekunden aufgeknackt hätte, aber das trotzdem das Gefühl gab: Das hier ist meins. Dann Notizen auf zerknitterten Zetteln. Später Sprachmemos im Auto, Gedankenfetzen in der Notizen-App, schnell eingetippt bevor der Moment verpufft. Das Schreiben war immer da. Es war nie glamourös. Es war nie für jemanden. Es war einfach das was ich tat, wenn ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte.
Und dann wurde das Leben voller
Mit dem Studium. Mit der Arbeit. Mit Kind. Mit dem Master, den ich jetzt nebenbei mache, weil ich dachte, das passt schon irgendwo rein. Das Schreiben ist nicht verschwunden – es wurde kleiner. Leiser. Seltener. Es rutschte ans Ende der Liste, hinter all der Dinge, die dringender erschienen.
Und dann eines Abends kam der Moment. Mein Kind schlief. Mein Mann saß neben mir. Ich hatte unzählige Tabs offen. Im Kopf und auf dem Laptop. Und ich öffnete ein leeres Dokument und begann zu tippen. Nicht für die Uni. Nicht für die Arbeit. Einfach so. Für mich.
"Es war das erste mal seit Monaten, das ich etwas tat, was nur mir gehörte. Kein Zweck. Kein Abgabedatum. Kein Erwartungsdruck. Nur ich und die Wörter."
In diesem Moment habe ich verstanden, was mir gefehlt hat.
Was ein Atelier ist - und warum das Wort passt
Ein Atelier ist kein Büro. Es ist kein Arbeitsplatz im klassischen Sinne. Es ist ein Raum, in dem jemand arbeitet – aber anders. Freier. Mit den Händen im Material. Ohne dass das Ergebnis von Anfang an feststeht.
Ich bin Ingenieurin und Projektmanagerin. Ich liebe Struktur, Pläne, klare Ziele. Aber ich habe auch gemerkt: Nicht alles, was mich ausmacht, lässt sich in ein Lastenheft pressen. Manches braucht Raum. Unordnung. Den Mut, etwas anzufangen, ohne zu wissen, wo es endet.
Wortatelier
Ein Atelier, kein Ort. Ein Zustand. Der Moment zwischen dem letzten Atemzug des Tages und dem nächsten Gedanken, der größer ist als er sollte. Ein Raum, der nur mir gehört – in dem ich all das sein darf was ich bin und will und jemand der nicht alles weiß und kann. Hier entsteht keine Abschlussarbeit. Hier entsteht ein Tagebuch voller Ideen.
Warum ich das teile und nicht für mich behalte?
Das ist die Frage, die ich mir selbst vermutlich am häufigsten gestellt habe. Ich habe so lange für mich geschrieben. Warum jetzt für andere?
Ehrlich gesagt: Weil ich glaube, dass das was ich erlebe, nicht nur mir gehört. Nicht im Sinne von: Schaut her, wie interessant mein Leben ist. Im Sinne von: Wenn ich das kenne, kennen es andere auch. Und vielleicht hat diese andere Frau, die gerade um halb 12 Uhr nachts auf ihrem Handy scrollt, noch jemanden gefunden, der ihr sagt: Ja, das kenne ich. Das ist real.
Das Tagebuch war der Raum, in dem ich mit mir geredet habe. Der Blog ist der Raum, in dem ich aufhöre, damit allein zu sein. Ich will keine Expertin sein. Ich will kein Vorbild sein. Ich will einfach schreiben – ehrlich, unfertig, manchmal unbequem – und schauen, wem es auch so geht wie mir.
Wann immer sich eine Lücke auftut. Das klingt romantisch. In der Realität entspricht das eher: zwischen dem Mittagsschlaf und dem nächsten Chaos oder wenn alle Abends immer Bett sind. Manchmal auch nachts, wenn ich einen Gedanken festhalten muss obwohl ich dringend schlafen sollte.
Wann ich schreibe
Für mich gibt es keine festen Schreibzeiten. Kein Ritual mit Kerze und Kaffee – obwohl ich das auch mal schön fände. Das Leben lässt das gerade nicht zu. Und ich habe aufgehört darauf zu warten, dass es perfekte Bedingungen gibt. Perfekte Bedingungen kommen nicht. Kleine Lücken für mich müssen sein.
„Ich warte nicht mehr auf die perfekte Stunde. Ich nehme die fünf Minuten, die gerade da sind.“
Wortatelier ist mein Raum. Der einzige Raum, in dem ich keine Rolle spiele. Nicht die Ingenieurin, die alles im Griff hat. Nicht die Mama, die immer da ist. Nicht die Studentin, die liefert. Nicht die Ehefrau, die funktioniert. Hier bin ich einfach Anna. Jemand der schreibt, weil er sonst nicht weiß, wohin mit dem ganzen Innen. Jemand, dem Wörter schon immer das waren, was anderen vielleicht Sport ist oder Musik, oder ein langer Spaziergang. Die Art, wieder bei sich anzukommen. Und wenn du das hier liest – dann bist du herzlich willkommen in diesem Raum. Du musst nichts mitbringen. Keinen perfekten Alltag. Keine Antworten. Nur die Bereitschaft, zu lesen und dich vielleicht selbst an der ein oder anderen Stelle wiederzufinden.
Das Tagebuch mit Plastikschloss liegt irgendwo in der Kiste bei meinen Eltern im Keller. Ich weiß nicht mehr was drin steht. Aber ich weiß noch, wie es sich angefühlt hat zu schreib en. Diese stille Konzentration. Dieses: Das hier gehört mir. Wortatelier ist das Gleiche. Nur ohne Schloss. Weil manches zu groß ist, es allein zu tragen.
Danke, dass du hier bist!
