Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich zum ersten Mal nach der Geburt geduscht habe. Richtig geduscht. Mit Haare waschen, Conditioner einwirken lassen, einfach kurz stehen bleiben. Mein Sohn war drei Wochen alt. Und diese zehn Minuten fühlten sich an wie Urlaub.
Das klingt dramatisch. Aber wer ein Neugeborenes kennt, weiß: Es ist nicht dramatisch. Es ist schlicht die Realität. Und über diese Realität wird viel zu wenig gesprochen – weil sie so banal klingt von außen, und so überwältigend ist von innen.
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Die ersten Wochen – wenn man selbst aufhört zu existieren
Niemand bereitet dich wirklich darauf vor. Nicht darauf, dass ein so kleines Wesen so vollständig alles übernimmt. Nicht nur deinen Körper während der Schwangerschaft – sondern danach auch noch deinen Alltag, deinen Rhythmus, deinen Kopf. Jede Minute. Jede Entscheidung. Jede Energie.
In den ersten Wochen nach der Geburt meines Sohnes habe ich aufgehört, mich selbst auf der Liste zu haben. Nicht bewusst. Nicht als Entscheidung. Es ist einfach passiert. Das Baby hat geschrien – ich war da. Das Baby hat geschlafen – ich habe auf das Baby gestarrt oder selbst versucht zu schlafen. Irgendwo dazwischen: ich.
„Ich habe in den ersten Wochen aufgehört, mich selbst auf der Liste zu haben. Nicht als Entscheidung – es ist einfach passiert."
Haare waschen wurde ein Projekt. Ablegen – also das Kind wirklich hinlegen und kurz loslassen – war ein Drahtseilakt. Nicht weil er es nicht zugelassen hätte. Sondern weil jedes Ablegen von einem inneren Alarm begleitet wurde: Ist er okay? Weint er gleich? Braucht er mich?
Das permanente Hintergrundprogramm, das ich schon beim Studium beschrieben habe – mit einem Neugeborenen läuft es auf Hochtouren. Und es lässt sich nicht einfach ausschalten.
Was das mit einem macht
Ich war erschöpft. Das ist das falsche Wort – Erschöpfung klingt nach etwas das man schlafen kann. Das war eine andere Art müde. Eine, die tiefer sitzt. Die den Körper betrifft, aber auch den Kopf. Die Fähigkeit, klar zu denken. Die Geduld. Das Gefühl für sich selbst.
Irgendwann habe ich gemerkt: Wenn ich mich komplett vergesse, habe ich auch nichts mehr zu geben. Nicht für meinen Sohn. Nicht für meinen Mann. Und schon gar nicht für mich.
Selbstfürsorge mit einem Neugeborenen bedeutet nicht Wellness und freie Nachmittage. Es bedeutet: zehn Minuten duschen. Einmal am Tag etwas essen, bevor man verhungert. Kurz ans frische Luft gehen. Das sind keine Luxusmomente – das ist das Minimum, das einen funktionsfähig hält.
Das Ablegen – und warum es so schwer war
Mein Sohn wollte nicht abgelegt werden. Das habe ich bereits in einem anderen Beitrag beschrieben. Aber was ich dort nicht erwähnt habe: Manchmal wollte ich ihn auch nicht ablegen. Weil das Tragen einfacher war als das Aushalten des Weinens. Weil ich dachte, eine gute Mutter legt ihr Kind nicht einfach hin. Weil irgendjemand irgendwann irgendwie suggeriert hat, dass Bedürfnisse haben – eigene Bedürfnisse – irgendwie weniger wichtig sind als die des Kindes.
Das stimmt natürlich nicht. Rational betrachtet weiß ich das. Aber es hat gedauert, bis ich es wirklich geglaubt habe. Und manchmal zweifle ich immer noch daran.
Was mir wirklich geholfen hat
Es gab keinen Zaubertrick. Keine App, kein Buch, keine Methode die auf Knopfdruck alles besser gemacht hat. Aber es gab ein paar Dinge, die den Unterschied gemacht haben – kleine, konkrete Anker, die mir geholfen haben, mich selbst nicht ganz aus den Augen zu verlieren.
- Jeden Morgen als erstes ein Glas Wasser trinken – bevor ich irgendetwas anderes tue. Klingt klein. Ist es auch. Aber es war meins.
- Meinem Mann konkret sagen was ich brauche – nicht hoffen dass er es merkt. „Ich brauche zwanzig Minuten. Bitte übernimm.“ Kurz, klar, ohne Schuldgefühl.
- Den Körper nicht vergessen – Rückbildung hat mir geholfen, wieder in meinen Körper zurückzukommen. Nicht als Sport, sondern als Verbindung zu mir selbst.
Rückbildung – mehr als nur Beckenboden
Ich möchte kurz bei einem Punkt bleiben, der mir besonders wichtig war: die Rückbildung. Nicht weil ich fit werden wollte. Nicht wegen des Körpers im Sinne von Aussehen. Sondern weil mein Körper neun Monate lang etwas Enormes geleistet hatte – und ich gemerkt habe, dass ich ihm das schulde: Aufmerksamkeit. Fürsorge. Wiederherstellung.
Ein Online-Kurs war für mich die einzige realistische Option. Kein fester Termin, keine Kinderbetreuung nötig, kein Rausgehen wenn man nicht kann. Ich habe den Kurs dann gemacht, wenn es passte – manchmal während des Mittagsschlafs, manchmal abends. In meinem Tempo. Ohne Druck.
Ein Thema das dabei oft unter den Tisch fällt: die Rektusdiastase – die Trennung der geraden Bauchmuskulatur, die bei vielen Frauen nach der Schwangerschaft bleibt. Ich habe lange nicht gewusst, dass ich sie hatte. Und noch länger nicht gewusst, dass man gezielt daran arbeiten kann – mit den richtigen Übungen, ohne ins Fitnessstudio zu müssen. Auch dafür gibt es mittlerweile gute Online-Kurse, die man flexibel zuhause machen kann.
Drei Empfehlungen die mir wirklich geholfen haben
Rückbildungskurs online mit Physiotherapeutin Anita
- Von einer ausgebildeten Physiotherapeutin
- Komplett online – kein fester Termin, kein Rausgehen
- In deinem eigenen Tempo absolvierbar
- Mitgliederbereich mit Videos – immer verfügbar
- Mehr als nur Beckenboden – ganzheitliche Rückbildung
- In dem Kurs geht es ebenfalls darum, eine Rektusdiastase zu schließen (bitte lese die Punkte unten durch)
- du sofortige Ergebnisse ohne regelmäßiges Üben erwartest
- du bereits bei einer Physiotherapeutin in Behandlung bist und individuelle Betreuung brauchst
- du keine Zeit für kurze Übungseinheiten in deinen Alltag integrieren möchtest
- du dir nicht sicher bist ob du eine Rektusdiastase hast – lass das zuerst ärztlich abklären
- du eine sehr starke Diastase hast die operativ behandelt werden muss
- du keine Geduld für einen schrittweisen, langfristigen Prozess mitbringst
Mama Coaching – Ratgeber für Mütter im ersten Jahr mit Baby
- kostenloses E-Book um zu testen, ob das Coaching was für dich ist
- Praktischer Begleiter durch das erste Jahr
- Ehrlich, alltagsnah und ohne erhobenen Zeigefinger
- Sofort als Download verfügbar
- Ideal für Momente in denen man einfach Orientierung braucht
- du eine persönliche 1:1-Beratung suchst
- dein Kind bereits älter als ein Jahr ist
- du fertige Patentlösungen erwartest statt ehrlicher Orientierung
Das erste Jahr mit einem Neugeborenen ist das Intensivste, was ich je erlebt habe. Schöner als ich erwartet hatte. Schwerer als ich erwartet hatte. Und ehrlicher als alles, was ich vorher über Muttersein gedacht hatte.
Was ich heute weiß: Man muss sich nicht entscheiden zwischen guter Mutter sein und sich selbst nicht vergessen. Beides geht. Nicht immer gleichzeitig. Nicht immer perfekt. Aber beides.
Und manchmal beginnt es mit zwei Minuten Duschen.
