Babynamen finden

warum es so schwer ist und 40 Namen die es wert sind

Wir haben sieben Monate gebraucht. Sieben Monate Listen, Vetos, Schlafgespräche, gestrichene Namen, wiederbelebte Namen und einen kurzen aber intensiven Streit über einen Namen den ich schön fand und mein Mann mit einer Schulklasse verband. Am Ende war es so einfach wie es immer ist: Wir wussten es, als wir ihn hörten.

Einen Babynamen zu finden ist eine der seltsamsten Aufgaben die es gibt. Man benennt einen Menschen den man noch nicht kennt – für ein Leben das er noch nicht gelebt hat. Und gleichzeitig soll der Name zu einem passen, zu beiden Elternteilen, zu Großeltern, Geschwistern, zum Nachnamen und – irgendwie – auch zu einer Persönlichkeit die noch komplett unbekannt ist.

Kein Wunder dass es schwer ist.

Warum die Suche nach dem richtigen Babynamen so schwierig ist

Die Namenssuche beginnt entspannt. Man blättert durch Listen, hört Namen auf Spielplätzen, schreibt Favoriten auf. Und dann beginnt das Filtern – und das Filtern hat kein Ende.

Das Veto-Problem

Fast jeder schöne Name hat in irgendjemandes Vergangenheit eine Besetzung. Den Namen des Ex. Den Namen des nervigsten Kollegen. Den Namen des Kindes in der Grundschule das einem die Lunchbox gestohlen hat. Diese Assoziationen lassen sich rational nicht auflösen – sie sitzen einfach da, unerschütterlich.

Mein Mann hat ganze Buchstaben „ge-vetoed“. Der Buchstabe „K“ am Anfang war für ihn mehrere Monate lang gesperrt. Ich habe ihn nie vollständig verstanden – aber ich habe es akzeptiert.

„Einen Babynamen zu finden bedeutet: zwei Menschen mit unterschiedlichen Vergangenheiten einigen sich auf die Zukunft eines Menschen den sie noch nicht kennen. Das ist absurd kompliziert. Und irgendwie wunderbar."

Der Trendcheck

Kaum hat man einen Namen gefunden den man schön findet, folgt die bange Frage: Wie häufig ist er gerade? Gibt es ihn in jeder Kitagruppe dreimal? Ein Name der heute selten klingt kann in drei Jahren der beliebteste seiner Generation sein – weil alle gleichzeitig auf denselben Trend stoßen.

Andererseits: Was ist so schlimm an einem beliebten Namen? Wenn er passt, passt er. Aber viele Eltern – ich eingeschlossen – wollen einen Namen der trägt ohne aufzufallen, der elegant klingt ohne gestellt zu sein, der klassisch ist ohne altmodisch zu wirken.

Der Familienkommentar

Dann gibt es noch die Familie. Der Name wird mit einer Tante verglichen die man nie mochte, mit einem historischen Herrscher den die Schwiegermutter problematisch findet, oder schlicht mit „ach, das klingt aber alt“. Die Lösung: den Namen erst nach der Geburt bekanntgeben. Was das Kind einmal heißt ist gesetzt – dann kommentiert es sich leichter.

✦ Unser bester Tipp

Den gewählten Namen erst nach der Geburt bekanntgeben. Ein Baby hat einen Namen – ein ungeborenes Kind hat einen Vorschlag. Den Vorschlag kommentieren alle. Den Namen eines Menschen der bereits existiert kommentiert kaum jemand mehr.

Was einen guten Babynamen ausmacht – Kriterien die wirklich helfen

Über Namengeschmack lässt sich trefflich streiten. Aber es gibt einige praktische Überlegungen die über puren Geschmack hinausgehen und bei der Entscheidung helfen:

Klang mit dem Nachnamen. Der Vorname und Nachname werden tausendmal zusammen gesagt – auf dem Schulhof, in Bewerbungen, bei Arztbesuchen. Kurze Nachnamen vertragen sich oft gut mit längeren Vornamen und umgekehrt. Gleiche Endsilben klingen meist unrund.

Spitzname-Potenzial. Die meisten Namen entwickeln im Laufe des Lebens Kurznamen. Wer den vollständigen Namen schön findet, sollte auch überlegen wie die wahrscheinlichste Kurzform klingt – und ob sie genauso angenehm ist.

Schreibweise und Aussprache. Namen die in jedem Land gleich klingen und keine Erklärung brauchen haben es leichter. Das spielt besonders dann eine Rolle wenn der Name im internationalen Kontext getragen wird.

Der Zukunftstest. Passt der Name auf ein fünfjähriges Kind und auf eine 45-jährige Ärztin gleichermaßen? Niedliche Kosenamen als offizielle Namen können im Erwachsenenleben zur Bürde werden.

Seltene elegante Mädchennamen – klassisch und zeitlos

Die folgende Auswahl versammelt Mädchennamen die klangvoll, klassisch und in Deutschland aktuell wenig verbreitet sind. Kein Trend, keine Modeerscheinung – Namen die getragen werden können ohne eine von drei Emmas in der Klasse zu sein.


Mädchennamen
Klassisch · Elegant · Selten

Isolde
Keltisch
„Die Schöne" – aus der mittelalterlichen Legende Tristan und Isolde
Sagenhaft

Rosalie
Latein
Von Rosa abgeleitet - poetisch, leicht, mit charmantem Klang
Poetisch

Clementine
Lateinisch
„Die Milde, Gütige" – unverwechselbarer Klang, selten in Deutschland
Elegant

Cecilia
Lateinisch
Aus der Familie der Heiligen Cäcilia, Schutzpatronin der Musik
Musikalisch

Vivienne
Latein
„Die Lebendige" – eleganter Klang, internationale Tragbarkeit
Lebendig

Beatrix
Latein
„Die Glückliche, Segnende" – königlicher Klang, wenig verbreitet
Königlich

Philippa
Griechisch
„Pferdeliebhaberin" – Schwesterform von Philipp, selten und stark
Stark

Theodora
Griechisch
„Gottesgeschenk" – die weibliche Form von Theodor, selten und stark
Würdevoll

Ottilie
Althochdeutsch
"Die Reiche"- charmant altdeutsch, erlebt leise Renaissance
Charmant

Arabella
Latein
„Schöner Altar" – klangvoll, weich, englisch-elegant
Aristokratisch

Lavinia
Latein
Name aus der römischen Mythologie - weich, ungewöhnlich, klangschön
Mythisch

Rosalind
Germanisch
„Zarte Rose" - durch Shakespeare unsterblich, in Deutschland unbekannt
Literarisch

Iphigenie
Griechisch
„Die Starke, Mächtige" - aus der griechischen Tragödie, mutig zu tragen
Mutig

Miriam
Hebräisch
"Die Geliebte" - bilblisch, zeitlos, in Deutschland seltener geworden
Biblisch

Seraphina
Hebräisch
„Die Feurige, Brennende" – von Seraph, den Engeln der höchsten Ordnung
Strahlend

Celestine
Latein
"Die Himmlische" - sanft, klanvoll, kaum verbreitet in Deutschland
Himmlisch

Edwina
Altenglisch
„Wohlhabende Freundin" - britisch-elegant, fast unbekannt im Deutschen
Britisch

Corinna
Griechisch
"Das Mädchen" - von der griechischen Dichterin Korinna, leicht und sanft
Lyrisch

Seltene elegante Jungennamen – klassisch und unverbraucht

Dieselbe Philosophie für Jungen: Namen die Rückgrat haben ohne schwerfällig zu sein, die zeitlos sind ohne zu stauben, die Charakter zeigen ohne aufzufallen. Namen für Männer die sie ein Leben lang tragen werden.


Jungennamen
Klassisch · Elegant · Selten

Casimir
Slawisch
„Der Weltfrieden Verkündet" – Casimir der Große, polnischer Nationalheld
Historisch

Leopold
Althochdeutsch
„Mutiges Volk" – adeliger Klang, selten in jungen Generationen
Adelig

Valentin
Latein
„Der Starke, Gesunde" – über den Heiligen Valentin weltbekannt, selten als Name
Klassisch

Crispin
Latein
„Der Lockige" – Heiliger Crispin, Schutzpatron der Schuhmacher
Ungewöhnlich

Thaddeus
Aramäisch
„Herzhafter, Mutiger" – biblischer Apostel, kaum verbreitet in Deutschland
Biblisch

Leander
Griechisch
„Der Löwenmann" – aus der griechischen Sage Hero und Leander
Sagenhaft

Aurelius
LateiN
„Der Goldene" – Kaiser Marc Aurel, stoischer Philosoph
Philosophisch

Everard
Althochdeutsch
„Der starke Eber" – altdeutsch, im englischen Raum als Everett bekannt
Stark

Cornelius
Lateinisch
„Der aus dem Geschlecht Cornelius" – römisch, selten, mit Würde
Römisch

Sylvester
Lateinisch
„Der aus dem Wald" – ursprünglicher als sein Silvester-Ruf ahnen lässt
Naturnah

Peregrin
Lateinisch
„Der Pilger, Wanderer" – mutig zu tragen, unverwechselbar
Abenteuerlich

Amadeus
Lateinisch
„Der Gottliebende" – durch Mozart bekannt, selten als alltäglicher Name
Musikalisch

Bertram
Althochdeutsch
„Heller Rabe" – altdeutsch und unterschätzt, mit charmantem Klang
Altdeutsch

Phineas
Hebräisch
„Der Nubier" oder „der mit dem Messingmund" – selten, klangstark
Exotisch

Edmund
Altenglisch
„Glücklicher Beschützer" – durch Literatur und Geschichte geadelt
Literarisch

Florentius
Lateinisch
„Der Blühende" – Langform von Florentin, selten und elegant
Blühend

Remigius
Lateinisch
„Der Ruderer" – Heiliger Remigius, Bischof von Reims, selten in Deutschland
Heilig

Caspian
Lateinisch
Aus der C.S. Lewis-Welt – klanglich stark, international, sehr selten
Literarisch

Hadrian
Lateinisch
„Der aus Hadria Stammende" – Kaiser Hadrian, Erbauer des Hadrianswalls
Kaiserlich

Wolfram
Althochdeutsch
„Wolfskrähe" – Wolfram von Eschenbach, mittelalterlicher Dichter
Mittelalterlich

So findet man den richtigen Babynamen als Paar – was wirklich hilft

Am Ende haben wir uns einfach auf einen Namen geeinigt. Für uns beide ist dieser Name akzeptabel und Erinnerungen entstehen im Laufe des Lebens neue – mehr als eine kleine Erinnerung von 30 Sekunden einer Nachbarin die man nicht mochte. 

Was auf dem Weg dorthin geholfen hat: Listen machen und dann eine Woche nicht anschauen. Namen laut sagen – auf dem Spaziergang, beim Kochen, beim Einschlafen. Den zukünftigen Spitznamen testen. Und vor allem: kein Kompromiss um des Friedens willen. Beide sollten den Namen wirklich mögen – denn beide werden ihn ihr ganzes Leben sagen.

Und wer ihn noch nicht gefunden hat: Ihr habt Zeit. Der richtige Name ist da. Er wartet nur noch darauf gehört zu werden.

Wie habt ihr den passenden Namen gefunden? Oder sucht ihr noch? Ich lese gerne mit und freue mich auf Inspiration von euch.
Deine Anna

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