10 Dinge die ich gerne früher gewusst hätte
Ich erinnere mich noch genau an den Moment in dem ich realisiert habe, dass ich irgendwann wieder arbeiten gehe. Nicht als abstrakte Zukunft – sondern als konkreter Plan mit Datum, Gespräch, Kitaplatz und tausend Fragen. Was ändert sich? Was muss ich wissen? Und was hat mir damals eigentlich gefehlt?
Der Wiedereinstieg nach der Elternzeit ist eines der Themen über die erstaunlich wenig gesprochen wird – und über das gleichzeitig alle nachdenken. Was gilt rechtlich? Wie führe ich das Gespräch mit meinem Arbeitgeber? Welche Stundenzahl ist realistisch? Und was passiert wenn das Kind krank ist und ich eigentlich im Büro sein müsste?
Ich bin Ingenieurin. Das bedeutet: Ich denke lieber in klaren Strukturen als in vagen Möglichkeiten. Und genau das hat mir beim Wiedereinstieg geholfen – aber auch gezeigt wo die Informationen fehlen. Dieser Artikel ist das was ich mir damals gewünscht hätte.
Was gilt rechtlich beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit?
Das Wichtigste zuerst: Du hast ein Recht auf Rückkehr. Nach der Elternzeit muss dein Arbeitgeber dich weiterbeschäftigen – grundsätzlich auf deinem alten Arbeitsplatz oder einem vergleichbaren. Während der Elternzeit gilt außerdem besonderer Kündigungsschutz.
⚖️ Das gilt rechtlich – Überblick
Rückkehrrecht: Du hast nach der Elternzeit Anspruch auf Weiterbeschäftigung zu den bisherigen oder vergleichbaren Bedingungen (§ 15 BEEG).
Teilzeitanspruch: In Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitenden kannst du Teilzeit während oder nach der Elternzeit beantragen. Der Arbeitgeber kann nur aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.
Ankündigungsfrist: Den Wiedereinstiegstermin musst du dem Arbeitgeber spätestens 7 Wochen vorher mitteilen. Teilzeitwunsch während der Elternzeit: 7 Wochen vor Beginn anmelden.
Elternzeit verlängern oder verschieben: Ein Teil der Elternzeit (bis zu 24 Monate) kann mit Zustimmung des Arbeitgebers auf die Zeit zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr übertragen werden.
Was viele nicht wissen: Auch während der Elternzeit darf man bis zu 32 Stunden pro Woche beim eigenen Arbeitgeber oder einem anderen arbeiten – mit Zustimmung des Arbeitgebers. Das Elterngeld wird dabei anteilig angerechnet.
Das Gespräch mit dem Arbeitgeber vor dem Wiedereinstieg – wie es gelingt
Dieses Gespräch hat mich mehr Nerven gekostet als ich erwartet hätte. Nicht weil es inhaltlich schwierig war – sondern weil ich nicht wusste wie ich es angehen sollte. Als Ingenieurin mit klarem Lösungsdenken hatte ich trotzdem das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Das war falsch.
Du verhandelst hier keine Gunst. Du kommunizierst einen rechtlich abgesicherten Anspruch und besprichst die Rahmenbedingungen. Der Ton macht dabei alles.
✦ So führe ich das Gespräch – konkret
Termin frühzeitig anfragen – idealerweise 10–12 Wochen vor dem geplanten Wiedereinstieg. Das signalisiert Professionalität und gibt beiden Seiten Zeit.
Eigene Vorstellung klar vorbereiten – Stundenzahl, bevorzugte Tage, Homeoffice-Anteil, Aufgabenbereich. Nicht fragen was möglich ist – den eigenen Wunsch formulieren und dann verhandeln.
Auf Einwände vorbereiten sein – „Wir brauchen jemanden in Vollzeit“ ist kein Nein auf Teilzeit. Es ist der Beginn der Verhandlung.
Schriftlich festhalten – was besprochen wurde, per E-Mail zusammenfassen. Kein Protokoll nötig – eine kurze Zusammenfassung reicht.
Teilzeit als Ingenieurin nach der Elternzeit – welche Stundenzahl ist wirklich realistisch?
Das ist die Frage die ich am häufigsten gehört habe – und für die es keine universelle Antwort gibt. Was ich sagen kann: Die Zahl die sich auf dem Papier gut anhört und die Zahl die im Alltag funktioniert sind oft verschieden.
Als Ingenieurin denke ich das gerne durch: 80% klingt wenig. Aber 80% bedeutet einen freien Tag pro Woche – und das ist in vielen Ingenieurbüros und Unternehmen tatsächlich umsetzbar. 60% bedeutet zwei freie Tage oder deutlich kürzere Arbeitstage. Darunter wird es in technischen Berufen oft schwierig weil Projekte eine gewisse Präsenz und Kontinuität brauchen.
✦ Meine Faustregel für die Stundenzahl
Rechne von hinten: Wie viele Stunden Kinderbetreuung hast du gesichert? Ziehe Wegezeiten ab. Was bleibt ist deine maximale Arbeitszeit – nicht dein Wunsch, sondern dein Limit.
Plane Puffer ein: Kind krank, Kitaschließtag, Arzttermin – das passiert. Wer 100% seiner Betreuungszeit verplant hat, hat keinen Puffer für das Unvermeidliche.
Starte lieber mit weniger und erhöhe nach drei bis sechs Monaten wenn sich alles eingespielt hat. Eine Erhöhung ist einfacher als eine Reduzierung.
Kinderbetreuung beim Wiedereinstieg – was wirklich vorher geklärt sein muss
Kein Kitaplatz, kein Wiedereinstieg. Das klingt hart aber es ist die Realität. Wer den Wiedereinstieg plant muss die Kinderbetreuung nicht parallel klären – sondern vorher. Die Betreuung ist der Taktgeber für alles andere: Stunden, Tage, Verlässlichkeit.
Was viele unterschätzen: Die Kita-Eingewöhnungszeit. Sie dauert in der Regel zwei bis vier Wochen – manchmal länger. In dieser Zeit kann man nicht vollständig arbeiten. Das muss eingeplant sein, im Urlaub aufgefangen oder mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden.
✦ Betreuungs-Checkliste vor dem Wiedereinstieg
Kitaplatz bestätigt – schriftlich, mit konkretem Startdatum und Betreuungszeiten.
Eingewöhnungsphase eingeplant – wer ist in dieser Zeit verfügbar? Urlaub, Partner, Großeltern?
Notfallplan steht – wer übernimmt wenn das Kind krank ist? Diese Frage muss vor dem ersten Arbeitstag beantwortet sein, nicht danach.
Randzeiten abgedeckt – Kita öffnet um 7:30, du musst um 7:00 im Büro sein? Diesen Gap lösen bevor er zum Problem wird.
10 Dinge die ich beim Wiedereinstieg gerne früher gewusst hätte
Hier ist das was ich tatsächlich gebraucht hätte – nicht als Ratgeberliste von jemandem der alles im Griff hat, sondern von jemandem die mittendrin war.
Das Gespräch mit dem Arbeitgeber ist keine Bitte.
Der Kitaplatz ist nicht verhandelbar – er ist die Voraussetzung.
Die Eingewöhnung kostet mehr Zeit als du denkst.
80% (oder weniger) fühlen sich wie Vollzeit an – zumindest am Anfang.
Karriere nach der Elternzeit ist möglich – aber sie sieht anders aus.
Die ersten Wochen zurück sind emotional.
Homeoffice verändert alles – wenn man es richtig nutzt.
Der Notfallplan muss stehen bevor er gebraucht wird.
Kolleginnen die selbst Kinder haben sind deine wertvollsten Verbündeten.
Es wird nicht sofort perfekt – und das ist vollkommen in Ordnung.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Ingenieurin – was mich wirklich trägt
Vereinbarkeit ist kein Zustand den man einmal erreicht. Es ist ein fortlaufendes Justieren. Manche Wochen funktioniert alles. Das Kind ist gesund, die Kita hat auf, das Projekt läuft, der Partner ist da. Dann gibt es Wochen in denen alles gleichzeitig kippt.
Was mich trägt ist nicht Perfektion. Es ist ein System das robust genug ist um auch die schlechten Wochen zu überstehen. Ein Partner der wirklich mitträgt. Ein Arbeitgeber der Flexibilität nicht nur verspricht. Und die Erlaubnis mir selbst gegenüber: Es darf auch mal nicht klappen.
Wenn du gerade vor dem Wiedereinstieg stehst und dir alles zu viel erscheint: Das ist normal. Es fühlt sich größer an als es ist. Und auf der anderen Seite wartet kein perfektes Leben – aber ein Leben das sich wieder nach dir anfühlt.
